Wenn Bäcker auf die Straße gehen

 

15. Oktober – Slow Food Wien feiert die Wiener Handsemmel

Duftende Handsemmeln schlagen, im Holzofen backen, mitten auf der Straße, mitten in Wien. Wir machen ein traditionsreiches Handwerk zum Street Event und holen drei Bäcker auf die Wiener Kärntnerstraße. Holzofenbäcker Helmut Gragger (Wien), Meisterbäcker Erich Kasses (Thaya/Waldviertel) und Traditionsbäcker Horst Felzl (Wien) werden staunenden PassantInnen die Kunst des Semmelbackens vorführen.

Wann: Mittwoch, 15.10. 11.00 bis 14.00 Uhr
Wo: Kärntnerstraße 30, im Schanigarten von Casinos Austria

Backen wie der "Kayser"

Die goldbraune Handsemmel ist der Inbegriff der Wiener Backkunst und des Wiener Frühstücks. Ohne sie schmeckt auch das Gulasch nur halb so gut. Doch nur die gute alte Handsemmel mundet wie anno 1750 aus der Backstube von k.u.k Hofbäckermeister Kayser - er hat laut Überlieferung der Kaisersemmel ihren Namen verliehen. Das Weißgebäck zählt seither zum ur-österreichischen Kulturgut. Umso unfassbarer, dass die Handsemmel heute vom Aussterben bedroht ist, viele Bäckereiketten führen sie nicht mehr im Sortiment.

Halbfertigware aus der Fabrik


Aber es gibt sie noch, jene Bäcker, die die Kunst der flaumigen Knusprigkeit beherrschen und ihr traditionsreiches Wissen auch an ihre Lehrlinge weitergeben. Sie sind jedoch einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf gegen Backshops mit Dumpingpreisen, die überall aus dem Boden schießen, ausgesetzt. Laut Statistik der KMU-Forschung Austria ist die Zahl der Bäckereien in Österreich von 2005 bis 2012 um mehr als 300 Betriebe zurückgegangen (auf nunmehr 1597 Bäckereien), die Umsatzerlöse jedoch sind im gleichen Zeitraum um 15 Prozent auf 1,54 Mrd. Euro angewachsen. Große profitable Supermarktbackshops mit Halbfertigware aus der Fabrik verdrängen kleine traditionelle Handwerksbetriebe - und erhöhen damit ihre Profite.

Kampf der Diskontsemmel


Dieses Bäckersterben schmerzt die Lebensmittelbranche. "Unsere Betriebe halten dem steigenden Kostendruck nicht mehr stand", bedauert DI Anka Lorencz von der Bundesinnung der Lebensmittelgewerbe. "Diskonter tragen hier einen wesentlichen Anteil an der schwierigen Situation. Unsere Handwerksbäcker werden dem nun verstärkt entgegentreten: Mit traditionellem Bäckerhandwerk und regionaler Qualität. Ein frisches Semmerl vom heimischen Bäckermeister schmeckt jedenfalls anders als eines aus der Backbox."

Schaubacken auf der Kärntnerstraße

Damit die KonsumentInnen sich davon überzeugen können, lädt Slow Food Wien zum öffentlichen Straßenbacken im traditionellen Holzbackofen ein. "Denn wer weiß heute noch, wie viel Können, Geschick und Zeit notwendig sind, um eine köstlich resche Handsemmel zu backen?", so Barbara van Melle. "Wem ist noch bewusst, warum diese nicht nur herausragend schmeckt, sondern auch einen Wert hat, der ihren Preis rechtfertigt? Wir wollen diese Werte wieder ins Bewusstsein rufen."

Unterstützt wird die Handsemmelbackaktion von Cuisino, den Gastronomiebetrieben von Casinos Austria, die gemeinsam mit Slow Food Wien bereits dreimal den Preis für das beste Lebensmittelhandwerk vergeben haben. 2011 wurde dabei die beste in Wien erhältliche Handsemmel von einer fachkundigen Jury prämiert.
 

 

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